Beitrag 4: „Noch mehr Leid, noch mehr Elend, noch mehr Tote“

Letzte Woche war ich mehrmals in Lieblingslokalen von mir. Der Besuch war erschreckend. Wie ausgestorben. Im „Freiraum“ waren letzten Donnerstag inklusive meinem Tisch 5 Tische besetzt. Die Einzelhandelsgeschäfte sind weitestgehend leer. Seit der erlaubten Öffnung war es an kaum einem Tag anders.

Was wird das nach sich ziehen? Kann wohl kaum jemand so richtig abschätzen.

Gibt es eine Alternative? Könnten wir etwas anders tun?

Dazu zunächst ein Zitat unseres Bundeskanzlers (entnommen aus Youtube, hochgeladen 31.3.2020, Interview mit Katia Wagner (Krone-TV)):

„Die Frage ist immer: Was ist die Alternative? Die Alternative zu den restriktiven Maßnahmen ist noch mehr Leid, noch mehr Elend, noch mehr Tote. Und es wird bald die Situation kommen, dass jeder irgendjemanden kennt, der auf Grund des Corona Virus gestorben ist.“

Die Frage, die sich mir stellt, lautet, ob eine derart unqualifizierte und polemische Panikmache eine so schlechte Stimmung verbreitet, dass diese die Erholung gefährdet. Offen gesagt: ja, das glaube ich. Ich habe eine Mitarbeiterin, die 9 Wochen nach dem 16.3. noch immer aus Angst von zu Hause arbeitet (!). Ich sehe noch immer Leute alleine im Auto sitzen, die einen Mund-Nasen-Schutz tragen.  Dies alles zeigt mir, dass nicht nur das Tempo der Wiederöffnung viel zu langsam ist, sondern insbesondere die begleitende Öffentlichkeits- und Informationsarbeit komplett in die falsche Richtung geht. 

Zu positiv ist schlecht.

Zu negativ ist aber noch schlechter.

Es müsste jemand aufstehen und in Ansehung der aktuellen Zahlen die Gesundheitskrise für beendet erklären. „Wir haben weniger als 1000 Fälle im Bundesgebiet – Die Krise ist vorbei, die Maßnahmen werden mit sofortiger Wirkung beendet.“

Social distancing (1m Abstand) finde ich absolut akzeptabel. Hände waschen detto. Aber alles andere ist störend und stimmungstrübend. In Ansehung der österreichischen Zahlen geradezu lächerlich. Niemand, der sich gefährdet sieht, wird gezwungen, sich öffentlich feilzubieten. Man sollte aber die Anderen nicht mehr als unbedingt notwendig einschränken.

Offensichtlich belasten die Bundesregierung die 1,7 Millionen Unselbständigen in Kurzarbeit und/oder Arbeitslosigkeit aktuell weitaus weniger als sie nach außen vorgibt. 

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