Beitrag 3: Operation medizinisch gelungen, Patient leider wirtschaftlich verstorben

Ich gestehe: als der Shutdown durch unsere Bundesregierung an diesem legendären Wochenende Freitag 13.3. (:-)) – Sonntag 15.3.2020 eingeleitet wurde, war ich von Beginn an äußerst skeptisch. Diese Skepsis war rückwirkend betrachtet nicht angebracht. In der Situation an diesem Wochenende galt es, eine Entscheidung unter Unsicherheit zu treffen und im allermindesten Fall war die Entscheidung der Totalschließung vertretbar, wenn nicht wahrscheinlich sogar sachlich richtig.

 

Vom richtigen Weg abgekommen sind wir m.E. erst später. Ab einem gewissen Zeitpunkt, ich sag‘ einmal ab Ende der dritten Woche des Shutdowns, war aus den statistischen Zahlen schon ganz klar ersichtlich, dass der Virus in den wohlhabenden Ländern mit hohen Hygienestandards und Gesundheitssystem auf hohem Niveau – damit meine ich z.B. Österreich, Deutschland, Schweden – bei weitem nicht die gefürchtete Verbreitung und Auswirkung erreichen würde. Dabei rede ich noch gar nicht vom statistischen Durchschnittsalter eines Verstorbenen von 79,5 Jahren und von statistisch ca. 1,5 schweren Vorerkrankungen der Verstorbenen. Ab diesem Zeitpunkt – Ende Woche 3 – wäre es notwendig gewesen, mit aller Kraft zurückzusteuern und den Schaden nicht noch weiter zu vergrößern. Es wäre wahrhaft niemandem eine Perle aus der Krone gefallen zu sagen: „Es läuft viel besser als befürchtet – wir müssen auf uns schauen – diesmal aber nicht nur gesundheitlich, sondern auch wirtschaftlich.“

 

Leider ist das nicht passiert. Nun schlittern wir m.E. in eine wirtschaftliche Katastrophe. Warum?

  • Die vollkommene Unfähigkeit der Bundesregierung, den betroffenen Unternehmen und damit den in der Privatwirtschaft tätigen Menschen zu helfen. Beispiel: In unserer Kanzlei haben nach meiner Schätzung ca. 90% der Antragsteller keinen Kredit bekommen. Den Großteil der Hilfe über die „Hausbank“ zu organisieren und von deren Kreditentscheidung abhängig zu machen, war wirklich ein Glanzstück ungeheuren Ausmaßes. Die Banken wollen diese Kredite nicht geben und geben es hinter vorgehaltener Hand auch schon zu. Ich kann es verstehen, aber das hilft den Betroffenen nicht. Die Regeln jede zweite Woche zu ändern, macht es auch nicht besser.
  • Die viel zu langatmig durchgeführte Wiederöffnung. Österreich hat aktuell (10.5.2020) ca. 72 Kranke in Intensivbetten und 586 Todesfälle. Stark aufgerundet inclusive Todesfälle 700 Menschen von 8,9 Millionen Bevölkerung als Ergebnis von 7 Wochen. Diese Zahlenrelation rechtfertigt es keinesfalls, weiterhin einschüchternde Verbalkommentare von sich zu geben und wirtschaftsbeschränkende Maßnahmen in diesem Umfang aufrecht zu lassen.
  • Fehlender Tourismus über einen längeren Zeitraum: Österreich hängt sehr stark am Tourismus. Ich lebe in Wien und spreche hier insbesondere den Städtetourismus (Wien, Salzburg) an. Die gesamte Lokalszene, die gesamte Hotellerie, aber auch die B2C-Einzelhandelsgeschäfte sind sehr stark auf Touristen ausgelegt. Je weniger aggressiv wir um deren Rückkehr werben, desto später werden sie kommen. Wir sollten nicht überlegen, wie wir sie abhalten, sondern mit Österreich als gesundem Land werben. Einschleppgefahren könnte man mit professionellen und schnellen Tests bei der Einreise stark reduzieren.

 

Was mir insbesondere vollkommen gefehlt hat und noch immer fehlt, ist die Verhältnismäßigkeit. In welchem Verhältnis stand und steht der gesundheitliche Zugewinn ab einem gewissen Zeitpunkt zum produzierten wirtschaftlichen Schaden?

 

Ich gehe geschätzt von einem wirtschaftlichen Schaden in Höhe eines GDP-Einbruchs von ca. € 1 Milliarde täglich aus. Nehmen wir an, Österreich erwirtschaftete 2020 im „Normalfall“ ein GDP von ca. € 460 Milliarden und sperrt 90 Tage, dann sind ca. 20% des Bruttosozialprodukts Österreichs eine Jahres weg. Eine unglaubliche Zahl. Höher als die gesamten Neuschulden der Kreisky-Ära. Betrachten wir die Arbeitslosen- und Kurzarbeitszahlen: Stimmt die heute von mir durchgeführte Internetrecherche, dann waren per Ende April

  • 1.100.000 Menschen in Kurzarbeit und
  • 570.000 Menschen arbeitslos gemeldet.

In Summe 1,67 Millionen Menschen (!!) von 8,9 Millionen Einwohnern. Um diese Menschen geht es mir. Deshalb ärgere ich mich auch so.

 

Finanzminister Blümel will die Betriebe mit Finanzpolizei verfolgen, die die Kurzarbeit „missbraucht“ haben. Der hat wirklich Sorgen, der Mann, und zeigt, dass er das System der Abrechnung der Kurzarbeit (Stunden im Nachhinein) so richtig verstanden hat. Ein schöner Hinweis vom ehemaligen Kulturbeauftragten, wie sehr die Bundesregierung die wirtschaftliche Problematik des kleinen Mannes verstanden hat und etwas dagegen tut. Anmerkung: nachdem man die gesetzlich zustehende Verdienstentgangsentschädigung des § 32 Epidemiegesetz ausgehebelt hat.

 

Was möchte ich mit meinem Blog sagen?

 

Der Coronavirus war eine gesundheitliche und soziale Katastrophe, für die aber in Wahrheit niemand was kann. Der Umgang unserer Bundesregierung mit dieser Situation, gemeint die vollkommene Überforderung der tätigen Berufspolitiker, die außer Reden schwingen und cool dreinsehen kaum Erfahrung in der Führung von sozialen Einheiten hatten und haben, macht hingegen die gesundheitliche Katastrophe wirtschaftlich erst so richtig schlimm.

 

Sie steuern ein Schiff, wissen aber weder,

  • wie man das Ruder bewegt, noch
  • welche Ruderbewegung welche Folgen hat, noch
  • wo sie hinfahren.

 

Ich bin nicht politisch tätig; mir tun einfach nur die Menschen leid.

 

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Zum Thema „Einschätzung des Covid-19 Virus“ sollte sich jeder, der es noch nicht gesehen hat, das Interview auf Servus TV mit Prof. Dr. Sucharit Bhakdi anschauen:
    https://www.servustv.com/videos/aa-23ud73pbh1w12/
    „Sinnlos“ und „selbstzerstörerisch“ – so bezeichnet der renommierte Wissenschaftler Sucharit Bhakdi die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Seine Bedenken vertritt er in einem offenen Brief an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Für diese „andere“ Einschätzung der Corona-Krise wird er angefeindet und in ein Eck mit Verschwörungstheoretikern gestellt.

    Europa akzeptiert die freie Meinungsäusserung nurmehr, wenn sie der eigenen Sprachregelung nicht widerspricht.

    Überhaupt hat sich die „Führung“ in Brüssel anlässlich dieser Krise richtig und im wortwörtlichen Sinn demaskiert: Weltmeister im Kopfeinziehen, null Führungsqualität, keine Unterstützung für die nach Hilfe ringenden Nationalstaaten, allerdings noch genug Zeit, um vom Homeoffice neue Richtlinien für zusätzliche wirtschaftliche Hindernisse zu erschaffen. Die EASA, die europäische Luftfahrtagentur ist ein leuchtendes Beispiel: Während die Flugzeuge nurmehr herumstehen, hat man den Betreibern noch mitgeteilt, welche zusätzlichen Hürden sie noch überspringen sollten. Konjunktiv, denn die Luftfahrt springt eh nirgends mehr drüber, die liegt flach am Boden.

  2. Cenker Göllü

    Sehr geehrter Herr Mag. Fritsch,

    ich habe Ihre Beiträge gelesen und möchte sagen dass ich mich Ihnen nur anschließen kann. Nach meiner Kündigung bei Ihnen hatte ich gehofft möglichst bald einen neuen Job zu bekommen, jedoch kam die Coronavirus-Krise, welche mich als Familienvater sehr hart getroffen hat. Ich mache einen Onlinekurs nach dem anderen um wenigstens meine Englischkenntnisse zu verbessern. Seitens des AMS kommt aber nicht vielmehr Unterstützung, weil die selber nicht wissen wie es weitergeht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich viele andere in der selben Situation befinden und zurechtkommen müssen. Wie das aber geschehen soll, ich habe keine Ahnung. Das niemand für diese Katastrophe was kann ist mir natürlich klar, traurig finde ich nur wenn die Regierung den Menschen, aufgrund ihres unsicheren Handelns, nicht das Gefühl der wirtschaftlichen Besserung übermitteln kann. Jedenfalls habe ich immer noch eine Hoffnung, sehr bald wieder eine Tätigkeit ausführen zu können.

    Ihnen wünsche ich noch, so gut es geht, eine angenehme Zeit.

    Freundliche Grüße
    Cenker Göllü

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